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Dreharbeiten zur Sterbebegleiter-Dokumentation (Making off)

In meinem Leben stand ich bis vor kurzem dreimal vor der TV-Kamera.

Mein allererste Rolle hatte ich mit 15 als Komparsin. Ich war gerade auf Klassenreise auf Burg Stahleck in Bacharach, befand mich mitten in der Pubertät, war demzufolge unglücklich verliebt und hatte jüngst meinen ersten „mittelschweren Lollimann“ erfahren. (So nennt Frank Schulz im Roman „Kolks blonde Bräute“ einen amtlichen Schwips.)

Eines Tages kam ein Drehteam auf das Burggelände. Für „irgendeine Fernsehserie“ sollten dort Aufnahmen gemacht werden. Und man suchte zugleich nach Komparsen – auch in unserer Klasse.

Ich kann jetzt nicht behaupten, dass ich die Arbeit vor der Kamera soooo toll finde. Doch schlimm finde sie auch nicht.

Aufregung machte sich breit. „Soll ich mich bewerben, oder lieber nicht?“

Als ich mitbekam, dass es für jeden DM 60,00 auf die Hand gab, war ich sofort Feuer und Flamme. Ich bewarb mich und durfte mein Gesicht vorzeigen. Das Casting war völlig unspektakulär, ich passte scheinbar irgendwie ins Konzept, sah anachronistisch genug aus und wurde genommen. Insgesamt durften – so glaube ich – fünf aus unserer Klasse mitmachen.

Ich wurde sogleich auf 50er-Jahre und Junge (!) getrimmt, was mir allerdings gar nicht gefiel. Dazu hatte die Maskenbildnerin meine kurzen Haare zu einer ganz gruseligen Friseur zusammengebürstet und mit Pomade eng an meinen Kopf geklatscht. Meine Kleidung bestand aus sehr seltsamen altertümlichen Turnschuhen und einem hellblauen Anorak aus müffelnder Popeline.

Mein Aussehen fand ich einfach nur peinlich. Hellblau steht mir leider so gar nicht. Ständig zupfte ich an meinen Haaren herum, bis die Maskenbildnerin böse wurde und mich verwarnte.

Meine Szene war letztendlich sehr simpel, und ich musste zum Glück auch keinen Text lernen, da der Ton nicht aufgezeichnet wurde.

Die Szene in Kurzform:

Ich stehe mit der (echten) Herbergsmutter der Burg vor dem Haupteingang und unterhalte mich angeregt. Hauptdarsteller kommt mit dem Fahrrad angeradelt und stellt irgendeine Frage. Herbergsmutter antwortet. Ich gucke doof interessiert. Hauptdarsteller radelt weiter. Fertig.

Dann schnell DM 60,00 kassieren, bloß raus dem muffigen Vintage-Zwirn und Haare waschen.

So war das damals in den Achtzigern auf Burg Stahleck. Man verriet uns leider nicht, wie die Serie heißen würde, geschweige denn, wann oder wo sie gesendet werden würde. Seltsam, aber so war es.

Ungefähr zwanzig Jahre später gucke ich in einem meiner geliebten Dänemark-Urlaube deutsches Fernsehen, ARD oder so, schaue die soundsovielte Folge einer wunderbaren Serie. Kriege plötzlich so ein komisches Gefühl, ein Kribbeln im Bauch. Stelle fest, dass mir irgendwie das Setting bekannt vorkommt. Ich war wie vom Donner gerührt.

Die Burg! Burg Stahleck! Da war ich doch auf Klassenreise! Du liebe Güte, das ist ja womöglich die Szene, bei der ich mitgewirkt habe. Da, die Herbergsmutter! Das glaub es jetzt nicht, gleich bin ich im Bild!!!! Und …

Schnitt!

Ich war fassungslos! Da finde ich endlich heraus, nach über 25 Jahren, um welche Serie es sich gehandelt hat – und dann wurde ich herausgeschnitten!

Da musste ich mich erstmal fangen und mir klar darüber werden, dass zugleich endlich das Rätsel von damals gelöst war. Denn die Frage, für was ich mich damals eigentlich hergegeben hatte, nagte unterschwellig in meinem Unbewussten.

Und welche Serie war das nun?

Ausgerechnet eine meiner Lieblingsserien: Heimat – Eine deutsche Chronik von Edgar Reitz. Ein Meisterwerk von einer Serie! Ich kann sie wirklich jedem ans Herz legen. Sie ist so klug und ein cineastischer Leckerbissen. Ich habe alles auf DVD nebst Literatur dazu.

Kurzum: Obwohl ich rausgeschnitten wurde, bin ich stolz und happy über mein Mitwirken. Und froh, dass ich dadurch einen ganz besonderen Bezug zu einer meiner Lieblingsserien bekommen habe, in der ich ja dann irgendwie –  wenn auch unsichtbar – mitgespielt habe.

Letzte Woche hatte ich wieder Dreharbeiten für eine Dokumentation, also das vierte Mal in meinem bisherigen Leben. Die Chancen stehen gut, dass ich diesmal nicht rausgeschnitten werde, denn ich bin eine der Protagonistinnen.

Regisseur Michael Harkämper ist sehr zufrieden.

Worum geht es bei der aktuellen Dokumentation?

Der Filmemacher Michael Harkämper portraitiert freiberufliche Sterbebegleiter in Deutschland. In dem Film werden Menschen vorgestellt, die sich mit dem Tabuthema Sterben und Tod auseinandersetzen. Der Regisseur begleitet Sterbeammen und Sterbegefährten bei ihrer Ausbildung und in Ausübung ihres Berufes. Es geht vor allem um Claudia Cardinal, meine Lebens- und Sterbeamme.

Rechts im Bild: Claudia Cardinal, die mich immer wieder ins Leben lockt.

Michael Harkämper möchte das Thema aus der Grauzone des Tabus herausholen. Er möchte ein schwieriges Thema „leichter“ machen, aus der „dunklen“ Ecke ins Licht befördern und näher betrachten, was uns ermutigen könnte.

Damit nicht nur ÜBER das Sterben geredet wird, wird auch MIT Menschen geredet, die z. B. eine erschütternde Diagnose gestellt bekommen haben. Und eine davon bin ich.

Gesendet wird die Dokumentation vermutlich im März 2018 auf RTL bei EXTRA mit Birgit Schrowange.

Ja, ich habe mich bei dem Sender auch erschreckt. Doch wurde mir sehr glaubhaft versichert, dass dort auch Filme mit nicht „leichten“ Themen gezeigt werden, an die behutsam herangeführt wird und in denen Menschen nicht „vorgeführt“ werden.

Die Dreharbeiten haben jedenfalls viel Spaß gemacht. Das Drehteam war total nett und einfühlsam. Für einen kleinen Einblick habe ich einige Fotos zusammengestellt und kommentiert.

Diesmal werde ich hoffentlich nicht rausgeschnitten. Notfalls zeige ich euch sonst mein Videotagebuch, das ich für die Dokumentation parallel führe :o)

Wilma und Frieda haben sich ziemlich schnell in den Mittelpunkt gespielt.

Ich warte gespannt auf meinen Einsatz.

Wilma erzählt ausgiebig von ihrer Leidenschaft für Pansenstängchen und findet auch ein offenes Ohr.

Der Tonmann musste immer wieder Wilmas Ohren durchkneten. Sowohl sie als auch er wollten es so.

Fröhliches Drehteam: Filmemacher Michael Hartkämper (Brille) mit Kameramann und Tonmann.

Die Kamera wiegt 8 kg, wobei das noch echt wenig ist.

Hier denken wir nach, wie wir das mit der nächsten Szene machen.

Die Frühlingstulpen haben wir für diese Aufnahme kunstvoll im Hintergrund drapiert. Soll ja auch hübsch aussehen später.

Hier wird gerade mein Mann interviewt und gefilmt.

Hier hat mein Mann vermutlich gerade einen Witz auf Kosten seiner krebskranken Frau gemacht. Das bin ich. ;o)

Claudia zeigt und erklärt verschiedene Todessymbole.

PS.
Bei den übrigen Dreharbeiten handelte es sich um die Langzeitdokumentation „Tag der Norddeutschen“ im NDR und um eine Folge „Hundkatzemaus“ auf VOX.

PPS.
Vielen Dank an Ulrike Paetzold, in deren wunderhübschen Boutique LINSTIL wir auch drehen durften.

Ulrike Paetzold fertigt einen Teil der schönen Bekleidung selber.

 

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2 Kommentare zu “Dreharbeiten zur Sterbebegleiter-Dokumentation (Making off)”

  1. Anja Meineke sagt:

    Uiiiih, liebste Sabine. Ich will ein Autogramm von Dir :-)
    Toll, toll, und noch mal …

    So gut, wieder mal den Sonntagmorgen mit Kaffee und Weekly Wilma zu beginnen. Sonne scheint mir ins Gesicht und ich bin schon gespannt auf die Doku im März. Dänemark scheint Euch wie immer gut getan zu haben. Aber mit „Leon“ musst Du noch mal ein Intensiv-Coaching führen.

    Bevor ich übersiedle an den Attersee im Salzkammergut, um dort die Ösis auf Spur zu bringen, sehen wir uns hoffentlich noch mal.

    Alles Liebe!!! und weiterhin Genesung pur für Dich!
    Anja (gerade in Hamburg) und Seniore Pio (im Urlaub am See)

    1. Liebe Anja,

      klar kriegst du ein Autogramm von mir! Möchtest du es gleich als Tattoo? :oD
      Wann bist du denn am Attersee? Doch nur temporär, oder ziehst du um?
      Liebe Grüße
      Sabine

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