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Scheiße geparkt – oder wie ich listig Rache an einer Mini-Fahrerin übte

Neulich war ich mit dem Auto im Stadtteil Eimsbüttel unterwegs. Wer aus Hamburg kommt, weiß, was das bedeutet:

Einen Parkplatz zu finden gleicht zu bestimmten Tageszeiten einem Sechser im Lotto. Mit Bus und Bahn ist das natürlich viel besser, klar, aber da ich an diesem Tag ohnehin mit meiner rollenden Hundehütte unterwegs war, begab ich mich optimistisch auf Parkplatzsuche.

Nach zwei Runden um den Block fand ich tatsächlich einen prima Parkplatz, der sogar kostenfrei zu haben war. Vergnügt parkte ich meinen Volvo und zog von dannen, um meine Erledigungen zu verrichten: zweites Frühstück schnabulieren, aufgeribbelte Mütze umtauschen, im Buchladen stöbern, bunte Anemonen kaufen.

Gut gelaunt stromerte ich also durch meine alte Heimat. Als ich nach etwa zwei Stunden zu meinem Auto zurück kam, wurde ich jedoch schlagartig übellaunig.

Man hatte mich eingeparkt!

Ein Mini stand quer zu meinem Volvo, so dass ich beim Rückwärts ausparken nicht richtig einschlagen konnte und somit große Schwierigkeiten hatte, aus der Parklücke zu schlüpfen. Meine Ausparkversuche führten so weit, dass ich weder vor noch zurück konnte, ohne den neben mir parkenden Mercedes zu berühren.

„Typisch Mini-Fahrer!“ schimpfte ich grummelig vor mich hin.

Sofort hatte ich Vorurteile: Mini-Fahrerin, Mitte 20, geht zum Latte Macchiato trinken und Klamotten shoppen in die Osterstraße, kauft sich das xte Paar Schuhe und ein Rudel Stehrumsel bei Flying Tiger.

Herzlich willkommen Vorurteile, immer hereinspaziert!

Aus dieser blöden Lücke zu kommen, kostete mich 20 Minuten kostbare Lebenszeit, einige Nerven und die Mithilfe eines Ladenbetreibers, vor dessen Hintereingang besagtes Vehikel stand.

Endlich freigeruckelt – ich war schon dabei, loszufahren – wurmte es mich dann irgendwie doch, dass die Mini-Fahrerin ungeschoren davonkommen sollte. So liebäugelte ich damit, ihr einen „freundlichen“ Zettel hinter den Scheibenwischer zu klemmen.

Gedacht – getan!

Ich suchte ich in meinem Handschuhfach nach einem Zettel.

Da ich jedoch weit und breit keinen einzigen Zettel im Auto fand, musste ich mir was anderes einfallen lassen.

Ich griff beherzt zu einer meiner Werbepostkarten für mein neues Buch „Meine Arschbombe in die Untiefen des Lebens“. Auf der Rückseite war genug Platz für eine Beschwerde.

Da ich mir jedoch ziemlich albern vorgekommen wäre, eine an sich fröhliche Werbepostkarte mit einem grantigen Kommentar zu versehen, schrieb ich einfach sinngemäß folgendes:

Guten Tag,
Sie haben mich mit Ihrem Mini ganz schön eingeparkt.
Aus meiner Parklücke herauszukommen hat mich viel Zeit und Mühe gekostet.
Grummelige Grüße
Sabine Dinkel

Die Postkarte klemmte ich so hinter den Schreibenwischer, dass meine beiden Bassetinen zu sehen waren. Zufrieden fuhr ich von dannen.

Die Vorderseite meiner Werbepostkarte zieren Wilma und Frieda.

Zwei Tage später klingelt mein Handy.

Ich sitze gerade bei meinem Onkologen im Warteimmer. „Guten Tag, mein Name ist Soundso, Sie kennen mich nicht, aber Sie haben mir neulich eine nette Postkarte hinter den Scheibenwischer geklemmt. Ich hatte Sie eingeparkt und möchte mich entschuldigen.“

Die Stimme ist männlich. Da bin ich aber perplex.

Kurzum: Es ergibt sich ein sehr nettes Telefonat mit dem vermeintlichen „Parkversager“, der sich freut, dass ich ihn nicht beschimpft habe, sondern ihm mit so einer netten Postkarte zu verstehen gab, dass der von ihm gewählte Parkplatz ungünstig für mein Ausparken war.

Um mich anrufen zu können, recherchierte er im Internet meinen Namen, landete auf meiner Website, stöberte herum und fand heraus, dass ich „Ovaristin“ bin.

Und jetzt haltet euch fest: seine Frau hat auch Eierstockschnieptröte! Bereits seit vielen Jahren.

Ist das nicht ein irrer Zufall?

Während seines Anrufes bittet mich die Schwester zum Aderlass mit anschließender Schorle (= Chemo), ich muss also spontan auflegen.

Doch diese kurze Begebenheit hat mich herrlich erheitert und mir gezeigt, dass es doch immer wieder etwas Gutes im Schlechten gibt … sofern ich es denn zulasse und finden will. Sie zeigt mir auch, dass ich nicht frei von Vorurteilen bin, diese aber zum Glück ganz oft widerlegt werden.

Und dass man jemandem, der einen einparkt, ganz prima mit einer Werbepostkarte „bestrafen“ kann.

Das finde ich persönlich viel schöner, als ein anonymes und destruktives „Parkversager“ oder ähnlich typisch deutsche Belehrungen hinter den Scheibenwischer zu klemmen.

Nun lauere ich direkt ein bisschen darauf, erneut eingeparkt zu werden.

Gleich weiterstöbern:

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6 Kommentare zu “Scheiße geparkt – oder wie ich listig Rache an einer Mini-Fahrerin übte”

  1. Liebe Sabine!

    Genau so und nicht anders. :-)
    Kurz durchschnaufen und dann liebevoll reagieren. Das macht SOOO viel…vor allem mit uns selbst. Denn nur wir „vergiften“ uns selbst mit negativen Reaktionen. Auch wenn es bei mir nicht ums Parken ging…Achtsamkeit mit dem jeweiligen Moment ist das Beste, was uns passieren kann. Und hat mir schon viele wunderbare Menschen in mein Leben geschwemmt. Und genau das macht es aus. :-)
    Getreu dem Motto… „Nicht ärgern, nur wundern.“
    Liebe Grüße Claudia

    1. Oh ja, liebe Claudia, alles andere ist so destruktiv. Ich werde zukünftig immer Basset-Postkarten dabei haben.
      Viele Grüße
      Sabine

  2. Oh sooo schön, ich liebe solche „Alltagsmomente“. Wir können, wenn wir bereit und offen sind, täglich solche Dinge erleben..vielen Dank fürs teilen. einfach toll:-) ps ich finde die Karte toll:-) grüassli nadja

    1. Liebe Nadja,
      Danke für deinen Kommentar. Wenn du gerne auch so eine Postkarte haben magst, park mich einfach ein. Oder schick mir deine Adresse per Mail an gutentag@sabinedinkel.de :o)
      Liebe Grüße
      Sabine

  3. Linda Bosse sagt:

    Wunderbar! Das ist humorvolle Souveränität mit entsprechend netten Folgen!

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