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Zukünftiger Klassiker der HSP-Literatur? Buchrezension von hochsensibel.org

Ich bin sehr dankbar, die vielen wundervollen Rezensionen, die ich bisher für „Hochsensibel durch den Tag“ bekommen habe. Leider bin ich noch nicht dazu gekommen, diese alle nachzuhalten und auf meiner Website einzupflegen. Macht aber nix, schließlich machen Sie mich auch so glücklich.

Den erfreulichen Auftakt machte vor über einem Jahr die wunderbare Freiraumfrau.


Diese sehr aktuelle Rezension wurde ungefähr 14 Monate später von Dr. Michael Jack, Präsident es IFHS e.V. (Informations- und Forschungsverbundes Hochsensibilität e.V.) geschrieben.

Sie ist für mich irgendwie ein bisschen wie „die Kirsche auf der Sahne“ oder der Schmetterling auf der Blüte:

„Zunächst eine Erklärung zu möglichen Interessenkonflikten (Declaration of Interest): Auf dem Cover des Buches wird darauf hingewiesen, dass es „In Zusammenarbeit mit: www.hochsensibel.org“ erstellt worden sei. Geld kriegen wir (dafür) nicht, allerdings wird unsere Website auf einer eigenen Seite im Buch als Quelle „eine[r] Fülle“ weiterer wichtiger Informationen „in schlichter, sachlicher Aufmachung“ bezeichnet. Das liest man natürlich gern.

Zu Beginn des Buches führt DINKEL viele konkrete Beschreibungen und anknüpfungsfähige Beispiele für belastende Reize und große und kleine reizintensive Situationen, die in das Thema Hochsensibilität einführen sollen. Die Verfasserin gibt zu, dass die geschilderten Szenen aus ihrem Familienleben zum Teil „ziemlich verschroben“ wirken, und zeigt damit ihre durchaus selbstironische Distanz zum Sujet. In einem ausführlichen Fragenkatalog, der über den berühmten von ARON zumindest hinausgeht, finden sich sehr griffige Veranschaulichungen; besonders überzeugen den Rezensenten die Aussagen über optische Reize, etwa überladene Websites.

Das Buch sei gedacht als „Langzeitbegleiter“ (früher als Vademecum bezeichnet), der helfen könne, Situationen der nervlichen Überreizung – herrlich schräg als „Synapsenbritzeln“ bezeichnet – zu vermeiden oder zumindest zu managen. Es wolle bei der Entwicklung eines guten „Reiz-Haushalt[es]“ helfen und Strategien gegen akute Reizüberflutung liefern.

Im Anschluss an die konkreten Beispiele folgen etwas abstraktere Informationen; DINKEL teilt die herrschende Meinung, dass die Reizempfindlichkeit als solche angeboren sei, sich Weiteres aber aufgrund von Umweltbedingungen entwickele, die durchaus auch positiv wirken könnten.

Nach dem Ausflug in die Theorie beginnt der praktische Teil des Buches, der eine Vielzahl von konkreten Tipps für die Lebensgestaltung enthält. Jeder Abschnitt beginnt mit prägnanten Thesen und endet mit „Notfallplänen“, mit denen akute Reizüberflutung in den Griff gekriegt werden kann. Behandelt werden so ziemlich alle Lebensbereiche (mit Ausnahme von Kindern): Tagesgestaltung, Arbeit und Arbeitsplatz (hier: Schreibtisch), Freundschaft und Partnerschaft, Arztbesuche und Smalltalk.

Jawohl: Smalltalk; DINKEL erklärt der insoweit unbeholfenen HSP den typischen Ablauf eines Smalltalk-Gespräches und liefert einen Schnellkurs für das Überleben dieser Situation. Sie befasst sich sogar mit der Frage, warum HSP Smalltalk nicht mögen; ihre Ver- mutung ist, dass sie sich in einer neuen Gruppe erstmal akklimatisieren und daher eine Beobachterrolle einnehmen wollen. Ferner stütze sich Smalltalk auf das Kurzzeitgedächtnis; HSP seien aber eher langzeitgedächtnisorientiert.

Als Beispiel für die Empfehlungen sei genannt, dass DINKEL eine Lebensführung im Einklang mit der inneren Uhr nahelegt: Man müsse wissen, was für ein Chronotyp man sei, und sich darauf einstellen. Sie empfiehlt eine Vorbereitung des Tages am Vortag sowie Morgenrituale mit Elementen positiver Psychologie und liefert einen Notfallplan für den Fall des Verschlafens. Am Abend solle man die Disziplin aufbringen, rechtzeitig ins Bett zu gehen, und Feierabendrituale befolgen.

Im Zusammenhang mit dem Thema Arbeit gibt DINKEL kleine Hinweise, wie sich die Arbeitseffizienz steigern lasse, wie auch Tipps zur Pausengestaltung und Ernährung. Achte man nicht auf seinen Biorhythmus, drohe ein „daily little burnout“. Es gehöre zum Leben dazu, dass 30 % der Arbeit „Mist“ seien; die restlichen 70 % könnten hier als Trost dienen. DINKEL führt (auch hier) eine anschauliche Liste der Reize, die zu Überstimulierung führen könnten, und empfiehlt – zur großen Freude des Rezensenten, der das seit Jahren predigt – in Situationen der Geräuschbelastung ein (!) Ohr durch einen (!) Ohrstöpsel lahmzulegen, um das Gesamtniveau an aufzunehmenden Reizen zu reduzieren.

Im Zwischenmenschlichen sei die „richtige Dosierung Mensch“ vonnöten. Im Rahmen einer Partnerschaft müsse bei unterschiedlichen Reizempfindlichkeiten die Lebensgestaltung ausverhandelt und durch Kompromisse gekennzeichnet sein; verschiedene Wohnformen seien möglich. Zur Vermeidung der Eskalation eines Streits sollte die Perspektive des anderen bedacht und gewaltfrei (nach ROSENBERG) kommuniziert werden.

Interessant auch, dass DINKEL Nachrichten als toxische Wissensform bezeichnet: HSP neigten dazu, sich eher gründlich durch Bücher als oberflächlich durch News zu informieren. Sehr lebensnah auch, was DINKEL zum Management von E-Mails empfiehlt.

Gegen Ende des Buches finden sich verschiedene Modelle, Hochsensibilität Dritten zu erklären, und es beschreibt typische Reaktionen auf ein Outing; hätte Platzmangel bestanden, hätte man hier vielleicht kürzen können. Ansonsten findet sich in diesem Teil des Buches auch der ausdifferenzierte Rat (mit praktischen Übungen), sich Gutes zu tun. Geistreich der Tipp, Wortkosmetik zu betreiben: Wenn man die Dinge nett darstellt, stellen sie sich häufig auch netter dar. DINKEL gibt auch Hilfen zur Entscheidungsfindung durch Skizzierung der zu stellenden Überlegungsfragen.

DINKEL schreibt flockig und witzig; das flotte Design des Buches, gedruckt auf glänzendem Papier, enthält auch amüsante Bildchen. DINKELs Tipps überzeugen nicht zuletzt dadurch, dass ihre Umsetzung nicht zu aufwändig ist, weshalb der innere Schweinehund deren Beherzigung nicht mit seinem Veto unterbinden dürfte. Besonders betont sei der sehr positive Eindruck von Handfestigkeit: Dem Rezensenten ist sehr angenehm aufgefallen, dass die Vorschläge so bodenständig sind, dass der im modernen Leben stehende Zeitgenosse (man ist versucht, zu sagen: zur Abwechslung einmal) nicht das Gefühl hat, hier würde Harmonie mit Erdgeistern angestrebt.

Der Rezensent ist natürlich gebauchpinselt angesichts der lobenden Worte über hochsensibel.org, hat aber „auch so“ die Lektüre genossen und das Gefühl, hier möglicherweise einen zukünftigen Klassiker der Ratgeberliteratur für Hochsensible gelesen zu haben.

Der Verlag hat dem IFHS zwei Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt.“

Dr. Michael Jack

***
Diese Rezension ist Teil der sehr informativen und flott geschriebenen Mitgliederzeitschrift Intensity, die Sie hier nachlesen können.

PS.

Damit es aber nicht heißt, ich würde immer nur mit guten Rezensionen angeben, bin ich auch so offenherzig, und weise (inzwischen sogar ein bisschen stolz) auf meine ersten beiden 1-Stern-Rezensionen auf Amazon hin.

Die haben so viel Gutes nach sich gezogen, dass ich den Rezensenten trotz ihrer Häme für mich und mein Buch total dankbar bin.

Wer also auch mal etwas D(T)rolliges lesen möchte, ist herzlich eingeladen. Bitte dabei unbedingt die Kommentare unter den 1-Stern-Rezensionen lesen – es lohnt sich.

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