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Ich platze heute vor Glück. Peng!

Und darum will ich spontan darüber schreiben. Obwohl ich Hunger habe und dringend etwas essen will, bevor ich als Hochsensibelchen hunger-aggro werde.

Wenn ich Hunger habe, kann ich sehr ungemütlich werden.

Doch bevor sich dieses Glücksgefühl irgendwann wieder verpieselt – das ist einfach so, sonst würde ich vermutlich größenwahnsinnig werden – möchte ich es mit diesem Blogbeitrag konservieren. Für doofe Zeiten, die ja irgendwann wieder keckernd um die Ecke linsen.

Ja, is denn scho Weihnachten?

Es fing damit an, dass ich heute mit meinem Mann auf einen ganz besonderen Museumsdorf-Weihnachtsmarkt fuhr, der eigentlich ein Kunsthandwerkermarkt ist. Auf diesem Markt waren wir erstmalig letztes Jahr mit meinen Schwiegereltern. Wir haben Würste gemampft und Glückwein gekippt. Ich hab mir Armstulpen und ein kuscheliges Schafsfell gekauft, auf dem ich, bekennender Frostködel, nachts schlafe und vor Wohligkeit seufze – vor allem, wenn meine Blutwichtel mal wieder schlapp machen.

Ich hatte zu der Zeit steigende Tumormarker – Rezidiv, ick hör dir trapsen – und ein wenig Bammel vor der nächsten bildgebenden Untersuchung. Dennoch war ich besonders frohgemut an diesem Tag.

Und heute im Auto kullerten mir plötzlich die Tränen über meine rosig bepuderten Wangen.

Dabei war ich gar nicht traurig!

Das verstörte mich im ersten Moment. Ich dachte „Was ist denn das für ein bizzarres Emotions-Konglomerat in mir drin?“

Bis ich merkte:
Da sind ja Schmetterlinge in meinem Bauch. Bin ich womöglich gerade verliebt? Verliebt in mein Leben? (Au Backe, das klingt ja wie Rosamunde Pilcher …) Doch kann ich es gerade nicht anders beschreiben. Ich war in dem Moment einfach zutiefst glücklich.

Leben, ich bejahe dich!

Achtung, nun kommt’s noch dicker!

  • Glücklich darüber, mit meinem Mann – diesmal ohne Schwiegeltern – auf besagten muckeligen Weihnachtsmarkt fahren zu können.
  • Glücklich darüber, mir gleich eine Bratwurst und ein Stück Nusstorte einverleiben zu können.
  • Glücklich darüber, im Auto ganz laut das neue Lied meiner Lieblingsband Tocotronic hören zu können, das gestern erschienen ist.
  • Glücklich darüber, meine Nach-Chemo-Frisur mit Madame Fifi – meiner von einer lieben Freundin gestrickten Mütze – vor der biestigen Nasskälte schützen zu können.
  • Glücklich darüber, seit vorgestern mein neues lebensverlängerndes Medikament nehmen zu können – mein Onkologe hat sich sehr dafür eingesetzt.
  • Glücklich darüber, gestern einen coolen Namen für mein Medikament gefunden zu haben: Leon. Nach dem Film Leon, der Profi.
  • Glücklich darüber, mit meinem Ratgeber und Comic ganz viele Menschen ermutigen und erheitern zu können.
  • Glücklich darüber, ganz bald drei Wochen in mein Lieblingsland Dänemark fahren zu können.
  • Glücklich darüber, einen so einen wunderbaren und witzigen Mann an meiner Seite zu haben, der jetzt endlich das macht, was ihn frohlocken lässt: alberne kleine Videos drehen
  • Glücklich darüber, nächste Woche mit meinem humoraffinen Lieblingskollegen, Freund und Wegbegleiter Volker Klärchen auf Facebook ein Live-Video machen zu können.
  • Glücklich darüber, so liebens- und bewundernswerte Menschen zu kennen und fest in wunderbare Freundschaften und Netzwerke eingebunden zu sein.
  • Glücklich darüber, einmal im Monat die neue Eierstockselbsthilfegruppe im UKE besuchen zu können und dort lebenswichtige Tipps zu bekommen – von lebensfrohen Gleichgesinnten. Ebenso hab ich meine andere gemischt-krebsige Selbsthilfegruppe der AWO so richtig lieb gewonnen.
  • Glücklich darüber, im Januar die Dreharbeiten zur Doku über meine Lebens- und Sterbeamme Claudia Cardinal erleben zu können, weil ich dort mitwirken werde.
  • Glücklich darüber, ab Februar Lesungen geben zu können: bei der Krebshilfe, im UKE und bei Hapag Lloyd.
  • Glücklich darüber, ebenfalls im Februar meine Wunschreha antreten zu können: am Meer, auf Föhr, in der sehr gut auf meine Schnieptröte spezialisierten Fachklinik Sonneneck.
  • Glücklich darüber, zwei Konzertkarten an meinem Kühlschrank hängen haben zu können. (Tocotronic, wer sonst?)
  • Glücklich darüber, durch meine Hunde jeden Tag ein hoch wirksames Antidepressium genießen zu können.
  • Glücklich darüber, Romane empfohlen zu bekommen, die sehr pikante Themen wie Depressionen, Suizid, Angstörungen oder Sterbehilfe so thematisieren, dass ich mich beim Lesen ständig kringel vor Vergnügen. (Sven Stricker, ich feier dich für deinen lakonischen Humor!)
  • Glücklich darüber, im April einen Humor-Workshop geben zu können mit meinem – ebenfalls puppenlustigen – Kollegen Jan-Rüdiger Vogler.
  • Glücklich darüber, nach langer Flaute endlich wieder neue Projekte aushecken zu mögen, zum Beispiel mit der Notaufnahmeschwester, die mir die Wortkünstler Käpt’n Peng beschert hat!
  • Glücklich darüber, Mitte September wieder ins schöne München fahren zu können.
  • Glücklich darüber, morgen der lieben Andrea Heckmann vom Netzwerk Lebensmut ein Interview geben zu können.
  • Glücklich darüber, gestern von einer Journalistin für die dpa interviewt worden zu sein. Zusammen mit zwei Medizinern aus Heidelberg. Der Beitrag erscheint anlässlich des Weltkrebstags Anfang 2018.
  • Glücklich darüber, heute endlich wieder die scheue Sonne begrüßen zu können.

Kurzum:

Glücklich darüber, in diesem Moment nicht im Holzpyjama von gierigen Würmchen und Asseln angenagt zu werden.

Wenn hier einer an mir nagt, dann meine Hunde. Oder mein Mann, muahaha!

Ich könnte noch tagelang so weiterschreiben.

Doch jetzt bin ich wohlig mit Worten gesättigt und schließe.

Gleich gibt es Essen. Mein Mann kocht. Ich höre ihn schon in der Küche klappern. Und singen. Es duftet.

*Peng*

Gleich weiterstöbern:

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21 Kommentare zu “Ich platze heute vor Glück. Peng!”

  1. Anja sagt:

    Allerliebste Sabine,
    Superlative sind genau hierfür gedacht:-)

    Danke! Danke! Danke! Dafür, dass es Dich / Euch gibt und Ihr die Welt an meinem Sonntagmorgen noch glücklicher macht. So, Peng :-)

    Da soll noch einer sagen, fröhliche Weihnachten. Dat kommt da so jar nich mit, mit dem Glück, was Du uns heute morgen bescherst.
    An Deinen dünnen Ärmchen, musst aber schon noch a bisserl arbeiten, gell?. Sach ma dem Alexej er soll Spezi-Arm-Aufbaukost kochen;-) Kann er bestimmt richtig gut, denk‘ ick mir.

    Glückliche Grüße aus dem WinterWonderLand Attersee im Salzkammergut.

    Die Anja und der Pio

    1. Liebste Anja,
      liebster Pio *wuff*,

      Danke für euren Kommentar hier. Ich denke so oft an euch! Gerade gestern, als wir auf dem besagten Weihnachtsmarkt waren. Da war eine total gut und fröhlich aussehende Frau, die dir voll ähnlich sah.

      Ebenfalls glückliche Grüße ins WinderWonderLand! Klingt traumhaft!

      Sabine, Wilmsen und die Frieda. Ach ja, und von Alexej auch.

      PS.
      Ich habe mir schon ca. 2 kg wieder angefuttert. Und auf Föhr stähle ich meine Bertärmchen, damit ich wieder kraftvoll zuboxen kann!

  2. Yvonne Linder sagt:

    Liebe Sabine bin abgetaucht und mag gar nicht wirklich schreibendoch wenn ich seh Binchchen war fleissig muss ich grad rumschnüffelnDu hast ja total nur positives ….beindruckent mac dir das so sehr gönnen neben den Scheisströhen so positiv Planen zu können☺hasg ja volles ProgrammBin so froh das ich dich gefunden habHab nicht wirklich nen guten Freund Mensch der mich anhört oder einfach da istegal wannnn…..ich hab ein Angebot am Freitag per Waths app bekommen ab 3.1 könnt ich auf die Insel Mallorca in eine Fincadarf auch jemand mit nehmen….nur wer????geh ganz gern allein darf ihre Katzen hütenich liebe Katzen……sooo genug Chlön föhn schön hab ich dich liebe Sabine wünsch dir einen friedlichen 3.Advent das du noch lange so zuschlagen kannstwir rocken die scheissviecher

    1. Liebe Yvonne,
      Abtauchen muss auch manchmal sein. Und bei euch in der schönen Schweiz ist das sicher gut möglich.
      Mallorca klingt super! Unbedingt machen!
      So leicht kriegen uns die Würmer nicht, beschlossen und verkündet!
      Liebe Grüße
      Sabine

  3. Eva sagt:

    Liebe Sabine,

    was für eine Freude, das zu lesen. Es gibt so viele kleine und große Glücksmomente, danke, dass Du sie zutage förderst und damit den Blick für die vielen schönen kleinen Dinge im Alltag schärfst.

    Immer wieder schön bei Dir zu lesen
    Liebe Grüße
    Eva

    P.S.: und dann veröffentlich ich auch bald mal das Interview, vermutlich wird es eher im Blog als im noch nicht existierenden Podcast ;)

    1. Liebe Eva,
      au ja, unser Interview. Wir haben so schön zusammen gekichert, obwohl ich da noch nicht mit meiner Schorle durch war. Ich freu mich darauf. Der Podcast-Traum wird ja nicht schlecht, vielleicht braucht er einfach noch ein bisschen Zeit, zu reifen. Jetzt ist ja eh erstmal Muße angesagt, hoffe ich.
      Ganz herzliche Grüße
      Sabine

  4. Liebe Sabine, das kenne ich auch.
    Mein Leben fordert meine ganze Resilienz ;-) ,
    aber manchmal kämpfe ich auch nur
    (Alles wird aber gut, ist mein Spruch)
    Schön, Deine Texte sind häufig wie Vitamine.
    Ich lese gerne Deinen Blog.
    Herzlichen Gruß von mir

    1. Liebe Elke,

      „Deine Texte sind häufig wie Vitamine.“ geht mir rauf und runter. So ein schönes Kompliment!
      Ich wünsche deinen Resilienz-Wichteln viel Humor, genügend Schlaf und immer ein Stück Glück im Kühlschrank zu haben.
      Ganz liebe Grüße
      Sabine

  5. Susanne Rüge sagt:

    Liebe Sabine, Du schreibst so positiv und voller Elan. Schön das Du auch andere daran teilhaben lässt. Ich mag einfach Deine Texte lesen. Danke und alles Liebe. Freut mich total dass wir uns über fb und V. I. E. L. begegnet sind. Schönen 3. Advent Euch. Susanne

    1. Liebe Susanne,
      ich freue mich auch sehr über deine Worte, über unser Kennenlernen Dank V.I.E.L. und FB. Haben wir es nicht schön?
      Ganz liebe Grüße
      Sabine

  6. Claudia & Kai sagt:

    ach wie wunderbar!
    Ich bin ganz beglückt, meine Freuden-Juchzer hättest Du eigentlich hören müssen, so laut waren die!
    Wir freuen uns sooo sehr, dass es dir so gut geht, dass es Euch so gut geht. Ihr macht uns eine riesige Freude mit der Aussicht Euch im nächsten Jahr wieder sehen zu dürfen und wer weiss, vielleicht dauert es ja gar nicht bis September. Unsere Prinzessin ist inzwischen so mutig sogar Ubahn zu fahren (o, bis dato nur eine Station) und wir üben immer öfter „in fremden Gelände“, so dass wir vielleicht auch vorher in den Norden (huiii, das vor allen für mich wieder aufregend, den Weisswurst Aäquator in dieser Richtung zu überschreiten :) ) .
    Habt eine wunderbare Zeit in DK und geiesst alles und
    bleibt so. Ihr seid wunderbar!
    Alles Liebe aus dem wilden Süden!

    1. Ihr lieben Münchener,
      schön, von euch zu lesen! Schön, der Freudenjuchzer. Ich hab ihn gehört!
      Hey, Greta kriegt ja allmählich richtig street credability! Cooles Mädchen.
      Ihr seid jederzeit herzlich bei uns willkommen!
      Liebste Grüße
      Sabine

  7. Claudia sagt:

    Hallo meine Liebe. Als ich gestern nachmittag ganz verfroren – frostködelmässig – im Auto auf der Heimfahrt saß, und im Handybildschirm die neuesten Instaposts kurz hochwischte, blieb ich bei deinem – wie so manches mal – hängen und besuchte deinen Blog. Übrigens schon das zweite Mal innerhalb weniger Tage ;-)

    Na jedenfalls: bist du der Captain der Herzaufwärmer und das durchflutet dann immer gleich den ganzen Körper. So wichen in mir auch dann wieder die kalten Temperaturen zurück. Und ich fing direkt an, meine Dankesliste runterzubeten…

    1. Liebe Claudia,
      was für ein zauberhafter Kommentar, den du mir da geschenkt hast! „Captain der Herzaufwärmer“ hat mich noch niemand genannt. Das ist ja pure Poesie!
      Dankeschön. Wie schön, dass du der Kälte mit deiner persönlichen Dankesliste den Garaus gemacht hast! So muss das!
      Ganz liebe Grüße
      Sabine

      1. Claudia sagt:

        Merci ❣️

  8. Liebe Sabine, ich freue mich so sehr mit dir!!!
    Schöne Tage diese Tage wünscht Petra

  9. Doris Jäger sagt:

    Liebe Sabine Dinkel,
    Ich verbringe gerade ein paar Tage Auszeit an der schönen Ostsee und habe Ihren Blog-Eintrag gelesen.
    WOW!
    Ihre Freude ist ansteckend und Ihre Worte von tiefer Selbsterfahrung geprägt!
    Ich bleibe ein großer Fan von Ihnen
    und schicke Ihnen weiter Kraft-säckeweise!

    Herzlichst Ihre Doris Jäger

    1. Liebe Doris Jäger,
      wie schön, Sie hier zu treffen!
      Ich danke Ihnen für die tollen Worte, die mich wahnsinnig freuen.
      Vielleicht sehen wir uns ja mal wieder.
      Herzliche Grüße
      Sabine Dinkel

  10. mikesch1234 sagt:

    Ich lese hier jetzt gerne mit, bin heute dem link https://totenhemd.wordpress.com/2018/01/10/sabine-dinkel-spricht-uebers-leben-und-ein-bisschen-uebers-sterben/comment-page-1/#comment-1738 gefolgt und konnte Ihnen gut zuhören.
    Es war wirklich richtig gut mit all der „Kacke“ ;-) – ich konnte Ihre Einstellungen, Ansichten, Gefühle … viel besser erspüren als beim Lesen Ihres Buches „Krebs ist, wenn man trotzdem lacht“ – das Interview ist, glaube ich, viel mehr Sie selbst als das Buch.
    Alles Gute,
    Hiltrud
    Krankenhausseelsorgerin und Kirchenclownin

    1. Liebe Hiltrud,
      vielen Dank für Ihren Kommentar hier im Blog.
      Wie schön, dass Sie über Petra und ihren Totenhemd-Blog hier gelandet sind.
      Ja, ich denke auch, dass das Video in dieser Hinsicht tiefer geht. Vor der Kamera bin ich spontan, beim Buchschreiben wird erst konzipiert und dann geschrieben. Das macht viel aus. Im Blog dagegen ist das Geschriebene von mir oft spontan, da ich nur schreibe, wenn es mich packt. ;o)
      Kennen Sie auch mein Comic-Tagebuch „Arschbombe in die Untiefen des Lebens“? Mich würde interessieren, wie es Ihnen gefällt.
      Herzliche Grüße
      Sabine

      1. mikesch1234 sagt:

        Liebe Sabine,
        ja, ich weiß, dass es die Arschbombe gibt ;-)
        kenne sie aber nicht.

        Lese grad viel zur Thematik „Kindstod, Stillgeburten …“
        Aber danke für den Tip,
        schaun wir mal ;-)

        Herzlichst,
        Hiltrud

        P.S. Als Kirchen-Clownin bin ich natürlich auch immer an der Thematik „Krankheit und Humor“ sehr interessiert :-)

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