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Der schnelle Frikadellenbrot – kleine Liebeserklärung an die dänische Sprache

Ich kann nicht anders: ich bin in die dänische Sprache verliebt. Und das schon seeeehr lange.

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Für hurtige Frikadellen muss man sehr schnell laufen.

Wenn ich einen Dänen Dänisch sprechen höre, schmelze ich dahin. Wenn er dann noch Deutsch spricht, mit diesem herrlichen dänischen Akzent, durchfluten mich von jetzt auf gleich ganz viele Glückshormone.

Damit hier gar nicht erst Missverständnisse aufkommen: Es geht mir nicht darum, mich über die Dänen lustig zu machen – ganz im Gegenteil. Ich mag die Dänen sehr – und eben besonders ihre Sprache und deren Satz- und Sprachmelodie.

So eine Vorliebe kennen die meisten ja vor allem für Französisch; das finde ich auch hübsch, aber es durchrieselt mich nicht so. Dänisch dagegen greift mich total.

Hier gleich mal ein paar meiner Lieblingswörter:

„sæblebobler“ = Seifenblasen
„pindsvin“ = Nadelschwein = Igel
„glaspusteri“ = Glasbläserei
„smukke bisser“ = schöne Beißer = schöne Zähne
„ejerlejlighed“ = Eigentumswohnung
„sommerfugl“ = Sommervogel = Schmetterling

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Das könnte auch ein prima Name für Taschentücher sein.

Das muss an einer ganz frühen Prägung liegen. Weil ich schon als 3-Jährige jedes Jahr mit meinen Eltern in Dänemark Urlaub gemacht habe, auf unserer Lieblingsinsel Fanø. Dort bin ich stundenlang am Strand auf Bernstein-Jagd gegangen, sogar erfolgreich, oder habe tonnenweise „Premier Is“ (das Eis mit dem Eisbären-Logo) verdrückt.

In den ersten Jahren haben wir gecampt, danach immer „hyggelige“ Ferienhäuser bewohnt und später dann eine für die 70er-Jahre ganz moderne Appartment-Anlage eingeweiht, wo ich als Kind das Paradies auf Erden gefunden habe:

  • ganz viele Tischtennisplatten
  • diverse Toberäume mit Rutschen und ganz vielen bunten „Hüpfenkisse“
  • ein feistes Schwimmbad mit Innen- und Außenbecken
  • eine muckelige Sauna
  • …und das alles noch richtig dicht am Strand mit entsprechendem Meerblick
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Hüpfenkisse waren für mich das Größte damals!

Das prägt.

Meine Vorliebe für diese Sprache ging vor gut 17 Jahren sogar so weit, dass ich vier Jahre lang die Volkshochschulbank drückte, um auch so schön sprechen zu können.

Ich erinnere mich noch genau an diese eine Übung meiner allerersten Dänisch-Stunde, wo unsere Dänisch-Lehrerin jedem Kursteilnehmer einen großen runden Keks in die Hand drückte. Es handelte sich um diese großen gezwirbelten Spritzgebäck-Kekse, von denen einer ungefähr 4 normalgroßen Keksen entspricht.

Und so einen Keks sollten wir jeder quer in den Mund zu schieben.

Aber nicht kauen! Bloß nicht kauen!!!

Dann sollten wir unserem Sitznachbarn sagen, wie wir denn heißen:

„Jeg hedder Sabine.“

Das klang tatsächlich, als hätten wir die berühmte heiße Kartoffel im Hals stecken.

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Ohne diese Kekse läuft beim Dänisch lernen nix!

Wir bogen uns natürlich vor Lachen und bliesen unserem Sitznachbarn vergnügt die Kekskrümel um die Ohren.

Immerhin vier Jahre hielt unsere Dänisch-Gang durch, bis wir als Gruppe immer mehr zerbröselten, weil einfach andere Dinge wichtiger wurden.

Wahrscheinlich bin ich dänophil.

Ich war so angetan von der Sprache, dass ich damals sogar einen Dänisch-Deutschen Sprachaustausch in der Højskolen Østersøen in Aabenraa gemacht habe. Die haben so eine tolle Lernwoche, die sich je zur Hälfte aus deutschen und dänischen Teilnehmern zusammensetzt, mit dem Ziel, dass Dänen und Deutsche die jeweilige Fremdsprache voneinander lernen.

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Deutsche hissen ihre Bukser, Dänen den Dannebrog :o)

Wir haben richtigen Unterricht gehabt, Ausflüge unternommen und am letzten Abend sogar in gemischten Teams eine herrlich minimalistische (weil nicht wirklich sprachmächtige) Theateraufführung hingelegt.

Doch was uns alle so richtig geeint hat, war das Essen!

Dänen haben (gefühlt) eine Mahlzeit mehr als wir: Den sogenannten „Aftenkaffee“.

Kaffee (!), Kuchen (!) und mancherlei Kalorienbombe mehr. Und das an jedem (!) der Abende.

Als ich wieder nach Hause fuhr, merkte ich, dass meine Hose bedenklich stark spannte – besonders am Bauch. Kein Wunder:

Ich habe in dieser einen Woche 2 kg zugelegt!

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Ja, in dieser einen Woche wurden wirklich sämtliche Segel gesetzt!

Leider ist fast mein gesamtes Dänisch über die Jahre versandet. Zum einen, weil ich einige Jahre nicht mehr in Dänemark urlaubte, zum anderen, weil ich zu faul war, mich da ohne konkreten Anlass alleine durchzubeißen.

Aber „rundstykke“ oder „wienerbrød“ kann ich schon noch ordern, ohne mich als deutsche Touristin zu outen. Auch kann ich immer noch auf Dänisch sagen „Im Schlafzimmer ist eine große Spinne.“ (Der er en stor edderkop i soveværelsen)

Über das Wort „edderkop“ (ein typisches Wort, für das man unbedingt einen großen Keks braucht) könnte ich mich auch heute noch bepieseln. Doch wenn man Angst vor Spinnen hat, braucht man diesen Satz unbedingt.

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Selbst Schinken erheitert mich.

Während ich dies schreibe, bin ich übrigens auch gerade in Dänemark. In einem wunderschönen hundefreundlichen Ferienhaus, namens „Feddet“. Ich habe eben gegoogelt, was das heißen könnte und erschrak: Fed = Fett

Au Backe, aber zum Glück kann ich momentan ein paar Pfündchen mehr vertragen und lass mich einfach überraschen, wie viel ich diesmal zunehme.

Als wir unsere Ferienhaus-Unterlagen beim Vermieter abgeholt haben, hab ich schnell ein paar Prospekte und Kataloge in meine Tasche geschaufelt, die auf Deutsch zu haben waren. Früher hätte ich mir natürlich nur die dänischen geholt, aber inzwischen ist das für mich zu frustrierend, weil ich nur noch so wenig verstehe.

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Im Urlaub will der Tourist Ruhu!!! Und Wasser!!!!!!!!

Und beim Lesen dieser Drucksachen schmelze ich schon wieder dahin. Die Übersetzungen sind dermaßen liebenswert oder lustig, dass ich wieder merke, wie sehr ich diese Sprache vermisse.

Was bin ich doch leicht zu erheitern.

In einer App der Region „Thy“ (dort bin ich gerade) habe ich etwas über „grausame“ Pflanzen gefunden, das ich total drollig finde:

„Fleischfressende Pflanze. Normalerweise werden Pflanzen von Tieren gefressen, aber wenn man eine kleine Pflanze ist, die sich in einem nährstoffarmen Milieu auskommen muss, hilft eine Vitaminbeigabe von einem Insekt.“

Davon abgesehen, frohlockt mein „innerer Deutsch-Tourist“ auch über charmante Übersetzungs-Schmankerl auf Speisekarten, wie „würsige Kartoffelspalten“ oder „Nachos ohne Hähnenflisch mit Cheddar und Dressing“. Oder kichert leise über „John Wayne Burger mit Pommes Gigant“.

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Als bekennender Flohmarkt- und Second Hand-Fan ist „Gemisch“ für mich ganz besonders verlockend.

Und eine Stadt als „Lachgrübchen Westjütlands“ zu bezeichnen, finde ich einfach nur zauberhaft.

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Das mit dem „Geburtstagsmännchen“ fände ich schon reizvoll.

Eines meiner Lieblingswörter:

DAS Wort der dänischen Sprache ist „hygge“, was so viel wie gemütlich oder heimelig bedeutet. Eindeutig eines meiner Favoriten.

Dänen wirken auf mich eh sehr viel entspannter als wir Deutschen. Kein Wunder, gehören die Dänen laut Studie seit über 40 Jahren zu den glücklichsten Menschen auf der Welt. Und das strahlt für mich auch ihre Sprache aus.

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Süße Schnecken mit Zitronencreme und Mohnwecken

Blöderweise sprechen die Dänen sehr schnell, so dass ich schon damals nicht besonders viel verstehen konnte, als ich noch ein paar Vokabeln im Kopf hatte. Zum Glück sprechen die Moderatoren im Radio schön deutlich, da könnte ich theoretisch etwas verstehen. Mir reicht aber auch einfach der dänische Singsang, ohne dass ich ihn entschlüssele.

Einfach, weil er schöne Erinnerungen an meine Kindheit in Dänemark wach hält. Und weil mich die Sprache fröhlich macht.

Kærlig hilsen (liebe Grüße)

PS.
Noch mehr Lust auf Hygge? Hier kommt Teil 2: 5 Dinge, die ich in Dänemark gelernt habe.

PPS.
Letztes Jahr war ich in Schweden. Dort habe ich mich auch total wohl gefühlt und ähnlich schöne (Sprach)Erlebnisse verbloggt.

Teil 1: Labsal im Elchland
Teil 2: Sind sie zu süß, bist du zu Touri!
Teil 3: Skinksnitzel meets Kogödsel
Teil 4: Sieben Dinge, die ich in Schweden gelernt habe

Gleich weiterstöbern:

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