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Meine Lebensgeisterstudie – vom NOvember zum LOVEmber

Durch meine „Schnieptröte“ (so nenne ich meine Krebserkrankung) sind meine Lebensgeister bisweilen übellaunig und mürrisch. Besonders, wenn ich gerade eine Schorletherapie (Chemo) zu verstoffwechseln habe.

Da mir am 9. November 2015 die dämliche Diagnose Eierstockkrebs gestellt wurde, – die mich schwuppdiwuppdi auf „Planet Schnieptröte“ beförderte – ist dieser Monat mit besonderem Grusel verbunden.

Denn auf diesem Scheiß-Planeten sind schon meine Mutter, mein Patenonkel, Pauline (unser erster Hund), Freunde und Bekannte verlustig gegangen.

Soweit so doof.

Bisweilen sind meine Lebensgeister aber auch heiter und zuversichtlich und sagen sich: „Jetzt wird erst recht das lustige Leben gelebt, in dem Rahmen, der mir mit auf Planet Schnieptröte eben möglich ist! Jetzt werde ich mir erst recht Dinge erlauben, die sich Gesunde nicht trauen, hehe. Jetzt beginnt eine neue Art von Freiheit!“

Um meinen geforderten Lebensgeistern ein kleines Denkmal zu setzen, habe ich sie 30 Tage lang portraitiert.

Die Idee dazu kam mir im Zuge der „30Skizzenimnovember“ der lieben Freiraumfrau Angelika Bungert-Stüttgen. Einer „Zeichensause“ (O-Ton von Brigitte Windt), die sich 2017 zum dritten Mal jährt.

Zudem ermunterte mich meine Lebens- und Sterbeamme Claudia Cardinal immer wieder, meinen kleinen emsigen Geistern mit Wohlwollen zu begegnen und ihnen stets wohlmeinend über den Kopf zu streicheln.

Oder ist es umgekehrt? Streicheln mir die Lebensgeister über den Kopf?

Wie auch immer es sich mit den kleinen Genossen verhält – erstmal galt es, sie bewusst zu beäugen und sie ggf. ein bisschen zu stupsen. Mal gucken, was dabei herauskommen würde.

Kurz zurückgeblickt:

Damals, also am 9.11.2015 saß ich in der Notaufnahme eines mecklenburger Krankenhauses – noch nicht ahnend, dass da Halligalli in meinem Unterstübchen herrschte.

Naja, ahnend schon, denn ich war ja nicht ohne Grund in der Notaufnahme gelandet. Ich hatte nur nicht erwartet, dass es sich um eine dermaßen dämliche Erkrankung handelt, die in Fachkreisen nicht gerade als Sechser im Lotto gilt.

Egal, das ist ja nun mal nicht mehr zu ändern. Jetzt habe ich den Salat. Doch ich würze ihn mir mit einem feinen Dressing.

Mit Hilfe von Claudia Cardinal habe ich also beschlossen, den traumatischen November nicht dem Trauma zu überlassen, sondern den ganzen Kuddelmuddel irgendwie positiv zu „überschreiben“. Damit es eben nicht mehr posttraumatisch in mir brodelt.

Dazu gehören möglichst viele kleine und große positive Erlebnisse, liebe Menschen, frische Gedanken und Abwerfen von Ballast.

Juhu, es hat funktioniert!

Der NOvember hat sich seines gröbsten Schreckens entledigt – und was zum Vorschein kam, war ein reizender Monat, der so viel Schönes brachte. Nicht nur, den Geburtstag meines Mannes. :o)

Meine Facebook-Freundin Christel Tampé hat es mit diesen Worten ganz wunderbar beschrieben:


Ich habe ausgemistet, aufgeräumt und Dinge in neue Hände gegeben. Sogar meinen alten Schrullen bin ich dabei begegnet, was mich verschämt kichern ließ und mir einen neuen Blogartikel bescherte.

So geht es weiter …

Die Lebensgeisterskizzen sollen noch Teil eines Literaturwettbewerbs zum Thema „Lebensfreude und Eierstockkrebs“ werden, der im frischen Jahr 2018 hoffentlich bunte Blüten treibt. Genau wie meine Giggelchemo – wenn ich das alles zeitlich hinbekomme.
Alles in allem bin ich sehr froh, erneut zeichnerisch festgehalten zu haben, dass ein lustiges Leben auch mit einer schweren Erkrankung möglich ist. Auch wenn die Möglichkeiten bei Erkrankten oft sehr begrenzt sind – es lohnt sich einfach, das, was noch geht, auch wirklich auszukosten.

Kurzum:
Experiment geglückt! Denn „Krebs ist, wenn man trotzdem lacht!“
Altes Kobolds-Gesetz.

Alle 30 Skizzen und die jeweilige Beschreibung dazu gibt es auf Instagram und Twitter.

Gleich weiterstöbern:

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9 Kommentare zu “Meine Lebensgeisterstudie – vom NOvember zum LOVEmber”

  1. Anja sagt:

    Liebe Sabine,
    Du großartige und tapfere Frau Zeichnerin,

    der Pio und ich senden Dir zwei Herzensbusserl vom Attersee. Wir freuen uns wie immer von Dir zu lesen und Deinen Lebensberichten und Bildern zu folgen. So eine Freude, Deine Bildsprache. Mit dem gezeichneten Bus können wir uns identifizieren ;-), nur leider steht unser jetzt im Winterlager.
    Alles Liebe weiterhin für Dich.

    Von Herzen, mit lieben Grüßen an Dich und Deine Lieben,
    die Anja und der Pio

    1. Liebe Anja, lieber Pio,
      vielen Dank für eure Grüße hier im Blog. Ich freue mich sehr, dass ihr am Attersee weilt – das klingt so schön.
      Wir sehen uns hoffentlich in 2018 in neuer Frische wieder.
      Bis dahin wünsche ich euch eine wunderbare Zeit.
      Liebste Grüße
      Sabine, Wilmchen, Frieda und der Alexej ;o)

  2. Vielen Dank, dass du einmal mehr deinen Mut und deine Kreativität genutzt hast und mit soviel LIebe und Humor uns allen den November schön gezeichnet hast! Hab deine heiteren, berührenden, zarten und doch so kraftvollen Skizzen sehr bewundert und mitverfolgt. Ich drück dich und weiter alle Daumen für alles, was du brauchst, damit es dir rundum gut geht!
    Big Hug und einen zauberhaften Dezember :-*

    1. Ich danke dir, du Liebe. Und schicke dir einen dicken virtuellen Drücker nach Österreich – zusammen mit einem Wuff von Frieda und einem Wuff von Wilma.
      Fröhliche Grüße
      Sabine

  3. Liebe Sabine,
    ich freue mich so sehr, dass du bei den #30SkizzenimNovember mitgemacht hast. Deine Lebensgeister sind einfach nur klasse. Und besonders gefällt mir deine Haltung deiner Schnieptröte gegenüber. Wie schön, dass du den NOvember überschreiben konntest. Danke, dass du unsere Begegnung zeichnerisch eingefangen hast. Der Lebensgeist, der auf dem Freiraumbus hockt und die beiden Lebensgeister, die mir zur Seite stehen, die machen mich total glücklich.
    Ich wünsche dir von Herzen, dass dein Ball jetzt ganz lange im Spiel bleibt. Auf der Ersatzbank sitzen ist zwar auch ganz nett, aber mitspielen ist doch viel schöner.
    Mit Herzensgrüßen aus München.
    Deine Angelika

  4. Gabriele sagt:

    Liebe Sabine,

    ich durfte dich jetzt bei den #30SkizzenimNovember 30 Tage lang begleiten. Und ich habe mich mit dir gefreut, mit dir gebangt und dann auch noch festgestellt, dass du mir ja schon im Mai „indirekt“ begegnet bist. Vielen Dank, dass du deine Lebensgeister sozusagen mit uns teilst und das wir dich und sie kennenlernen durften. Wir sehen uns bei #30SkizzenimLovember 2018. Spätestens.

    Liebe Grüße
    Gabriele

    1. Liebe Gabriele,
      ganz lieben Dank für deine schönen Worte. Ich freue mich sehr, dass wir zusammen gezeichnet haben und jetzt über Facebook in Verbindung bleiben.
      Auf ein kreatives 2018!
      Liebe Grüße
      Sabine

  5. K&C&G sagt:

    Liebe Sabine, Du Wunderbare! Heldin! Künstlerin!
    wir sind so froh, dass das Ergebnis des letzten MRT so gut ausgefallen ist. Vor lauter Verzückung – auch über diesen fantastischen, humorvollen Beitrag (Hammer-Zeichnungen!) – sind uns beim Bummel über einen Münchener Weihnachtsmarkt 2 Kleinigkeiten in die Tasche gehüpft und haben andauernd „Haaaaamburg“ & „McPommm“ geplärrt und auch „noch vooor Dänkemark“ …
    Wir wissen nicht so genau, wie wir mit dem lauten Geplärre umgehen sollen, deswegen schicken wir Euch ein kleines Päckchen. Bald.
    Danke für Deinen Humor, Deine Kreativität & Deine Kraft!

    1. Ihr lieben Münchener,
      ich freue mich so, dass wir uns in diesem Jahr live kennengelernt haben. Es war so schön und lustig bei euch!
      Was da wohl in eure Taschen gehüpft ist. Wie ich euch und die bisherigen Überraschungen so kenne, ist es etwas sehr Liebevolles.
      Vorfreudige Grüße und ein Wuff und ein Knuff
      Sabine

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