< zurück

Wenn Mäuse im Kleiderschrank zu einem wundersamen Vintage-Lädchen führen

Neulich suchte ich in unseren Schränken nach einem kreischbunten Bettbezug aus den 60er-Jahren.

Das Objekt meiner Begierde: Sixties-Bettwäsche

Wer hier häufiger mitliest weiß, dass meine Eltern extreme Sammler waren. Als sie starben, kam ich in den „Genuss“ eines gigantischen Vintage-Fundus’. Und ihrer kreischbunten Retro-Bettwäsche.

Da wir unsere Gästebettwäsche in einem der Gästezimmer lagern, bin ich also energischen Schrittes in den ersten Stock zu unserem alten Bauernschrank gestiefelt, wo sie die meiste Zeit einsam vor sich hinschlummert.

Hinter diesen Türen lauert die Bettwäsche … oder Schlimmeres.

Ich stehe also davor, drehe nichts ahnend den Schlüssel um und öffne die Tür.

Kreisch !!!!

Blickt mich völlig verwirrt eine Maus an – und wühlt sich kurz danach in unsere Gästebettwäsche.

Ich vor Schreck die Tür zugeknallt, Treppe runtergerast, ganz aufgeregt mit den Armen gerudert und meinen Mann heimgesucht, der gerade verträumt vor seinem Laptop saß.

„Maus, wir haben Mäuse im Kleiderschrank!!!“
„Oh nein!“
„Doch, die haben alles vollgeschissen. Die schöne Gästebettwäsche!“
„Kein Wunder, das kommt davon, dass wir immer noch viel zu viel Zeug haben!“

Bäm. Das saß!

Ein altes – seit 3 Jahren gärendes – Thema poppte auf.

Ja, ich hab einen Fimmel für schräge Muster.

Widerwillig stapfte er mit mir nach oben.

Keiner von uns wollte den Kleiderschrank öffnen. Was, wenn einem mit Karacho die Maus entgegen springt?

Eigentlich finden wir Mäuse ja putzig. Aber im Haus wollen wir die nicht haben.

Da das alte Bauernhaus von ca. 1860 und nur zu 90 % saniert ist, nutzen die Mäuse halt unsere Nachlässigkeit und flutschen lustig durch die Löcher im Fundament – hinein in den alten Gewölbekeller und von dort ins Haus.

In so einer Gegend wäre ich auch gerne Maus.

Die Mäuse waren inzwischen durch den Einschlupf im Unterboden rausgesprungen und Tom & Jerry-mäßig in ihrem Mauseloch in der Wand verschwunden. Puh.

Nach etwa 10 Minuten hatten wir unsere Scheu überwunden und mit spitzen, behandschuhten Fingern jedes Wäschestück aus dem Schrank geholt. Stück für Stück wurde alles einer Inspektion unterzogen.

Vielleicht hätten wir das untere Schild an den Kleiderschrank hängen sollen.

Was vollgepieschert oder mit kleinen braunen Kötteln übersäht war, flog in den Müll. Der Rest ging in die Wäsche – 90 Grad – aber hallo!

Da das Wetter zum Glück sehr schön war, wusch ich ungefähr 6 große Maschinen voller Wäsche, die draußen wunderbar flott trocknete.

Das Doofe:

Die Mäuse hatten die vorstehend genannte ungeliebte Diskussion wieder angestoßen, dass es ja wohl mal wieder an der Zeit wäre, sich von einigen Dingen zu trennen. Und das fällt mir halt nicht immer leicht.

Damals, als wir den gigantischen Haushalt aufgelöst haben, sind wir nämlich wie folgt vorgegangen – und haben demzufolge noch ganz viel übrig:

Ich liebe alte Werbeaufsteller!

  1. Alles, was wir irgendwie toll fanden, haben wir bei uns auf dem Dachboden eingelagert. Der Dachboden ist voll!
  2. Alles, was wir zwar toll fanden aber für uns nicht nutzbar war, haben wir auf zwei wunderschönen Nachlassflohmarkt-Festen verkauft – direkt vor Ort. Ich sehe heute noch die leuchten Kinderaugen der über 600 Besucher, die mit vollen Taschen vom Hof stapften.
  3. Vieles aus dem Camping-Fundus meines Vaters haben wir im Winter an Obdachlose weitergegeben.
  4. Alles, was irgendwie so gar nicht mehr unterzubringen war, haben wir – obwohl die Seele quietschte – dem Haushaltsauflöser mitgegeben.

Auch aus dem Fundus meiner Eltern: eine Eieruhr

Tja, und nun ist es eben mal wieder an der Zeit, sich den Fundus auf dem Dachboden vorzuknöpfen. Da oben bringt er ja nix. Weder uns noch anderen.

In diesen Kisten kichert mein Erbe.

Wer mich kennt, weiß, dass ich schon häufiger auf Facebook kleine Flohmarkt-Aktionen gestartet habe – mit unerwartet großem Erfolg: ich bin die Schätzchen fast alle losgeworden.

Das hat allen Beteiligten sehr gut gefallen und großen Spaß gemacht.

Solche Sachen entzücken mich nach wie vor.

Zurück zur Maus.

Nachdem wir nun also Tabularasa gemacht hatten, war der Schrank leer, unser Wäschebestand um 60 % dezimiert und die alte Diskussion in vollem Gang.

Plötzlich schoss mir eine Idee ins Mark!

Was wäre, wenn wir das Gästezimmer auflösen und daraus ein temporäres „Flohmarkt-Zimmer“ machen?

Die Idee: Sämtliche Sachen in diesem Zimmer werden käuflich zu erwerben sein, so wie in Antikcafés. Dort sind zum Beispiel die Stühle, auf denen man seine Schwarzwälder Kirsch in sich reinschaufelt, auch käuflich.

Ein Teil meiner Verkaufsware.

Mein Mann war von der Idee sofort begeistert.

Wie das mit tollen Ideen bei ihm und mir so ist, müssen wir die immer sofort umsetzen. Daran erkennen wir auch die wirklichen Knaller: Wenn wir gar nicht anders können, als diese sofort zur verwirklichen.

Durch die kleine Himmelfahrts-Urlaubswoche konnten wir auch schon früher als geplant mit der Wühlerei anfangen.

Wir haben das Zimmer erstmal komplett leergeräumt!

Zack, flogen drei olle Teppiche aus dem Fenster, hui, und da flog die Gästebettmatratze hinterher.

Auch bei meinen Eltern gefunden: eine alte Lerntafel von Hamburg, ca. 50er-Jahre

Tschüß, ihr Milbenfänger!

Das Mauseloch im Boden haben wir mit Stahlwolle zugestopft und uns gefreut wie die Schneekönige.

Diese Aktion setzte bei mir – trotz derzeitiger Schorletherapie – ungeahnte Energien frei. So gut fühlte ich mich zuletzt lange vor meiner Diagnose! Unfassbar!

Vor lauter Eifer bin ich schon mit meiner Giggelchemo zwei Tage im Rückstand! Und über die will ich ja auch noch bloggen!

Nach zwei Tagen war mein Lädchen fertig!

Was jetzt noch kommt, ist Puzzelkram:

  • Schätzchen auspreisen
  • noch ein paar Bilder aufhängen
  • alles hübsch zurechtruckeln.

Ich liebe diese Lampe!

Ich war und bin total in meinem Element. Ich fühle mich wie ein Kind, das sich seinen Kaufmannsladen einrichtet. Oder wie eine reiche Hausfrau eines Sugardaddys, die ihre erste eigene Boutique gestaltet.

Von diesen Schätzchen trenne ich mich.

Bei dieser spontanen Aktion kommen gerade so wahnsinnig wertvolle Dinge zusammen, die mich unheimlich beflügeln:

  • Ich kann geliebte Dinge in neue gute Hände geben.
  • Ich kann etwas gestalten und herrichten; das liebe ich wie verrückt (eine meiner früheren Berufsambitionen war Innenarchitektin).
  • Das Lädchen ist eine lustige Workshop-Attraktion für meine Teilnehmer*innen, die eh immer fragen, wo wir all die tollen Sachen her haben und gerne bei uns stöbern.
  • Und auch für Freunde und Bekannte, die uns in Mecklenburg besuchen.
  • Unsere bestehenden Räume nebst Dachboden werden bald luftiger sein, weil nur noch die (uns) wichtigsten schönen Dinge übrig bleiben und uns erfreuen.
  • Mit dem Erlös kann ich zum Beispiel endlich ein großes Lebensfest in 2019 organisieren – irgendwann, wenn meine Schorletherapie beendet ist – und feiern, dass ich trotz der doofen Diagnose vor Lebenslust platze.
  • Auf diesem Fest begegne ich hoffentlich engen Freunden, Mitpatient*innen, geschätzten Bekannten, lustigen Kolleg*innen und Social Media-Freund*innen, die ich bisher nur virtuell kenne.

Ein kleiner Blick in einen Koffer, den mein Vater damals zu einem Regal umfunktioniert hat. Den geb ich auch nicht her. Die anderen Sachen schon.

Dieses Fest wäre dann eines der nächsten Highlights in meinem „Lustigen Leben“ (mein Motto, nach dem ich bewusst seit der Diagnose lebe).

Zwei tolle Highlights hatte ich dieses Jahr schon:

… den wunderbaren Resilienz-Workshop auf Gut Klein Nienhagen
… und unserem Besuch mit Fotoshooting in München.

Schweren Herzens gebe ich diese Bowle-Gläser in neue Hände.

Und wieder hat das Leben den Beweis angetreten, dass es immer etwas Gutes im Schlechten gibt.

So haben auch Mäuse im Kleiderschrank durchaus etwas für sich.

100 % mausfrei! Der Kleiderschrank wird zur Präsentationsfläche.

PS.
Die kreischbunte Bettwäsche gefiel den Mäusen scheinbar nicht so. Sie liegt jetzt frisch gewaschen in einer mäusesicheren Kommode (auch ein Erbstück, logisch).

Alles frisch gewaschen und duftig. Die Bettwäsche meiner Kindheit.

 

Gleich weiterstöbern:

Teilen:

8 Kommentare zu “Wenn Mäuse im Kleiderschrank zu einem wundersamen Vintage-Lädchen führen”

  1. Anja sagt:

    Liebe Sabine,
    ich freu mich so, dass es Dir nach Deiner ersten Chemobombe so gut geht und die Energie in Dir nur so hin und her schießt und Dich mit vollem lustigen Leben erfreut. Yeah!!
    Das Lebensfest ist eine tolle Sache. Freue mich darauf.
    Herzlich, alles Liebe und Busserl von uns beiden aus Österreich vom Attersee.
    Die Anja und der Seniore Pio

    1. Liebe Anja,
      herzlichen Dank für deine Mitfreude. Ich kann es selber kaum fassen, woher plötzlich dieser Energieschub kommt. Total ungewohnt!
      Ganz wonnige Grüße an den Attersee. Dort ist es bestimmt schön – und die Mäuse sprechen Dialekt.
      Liebe Grüße
      Sabine

  2. Antje Werner sagt:

    Total klasse! Die Idee alleine ist schon der Wahnsinn! Rolf und ich haben vor sieben Jahren zwei gut bestückte Haushalte zusammengelegt. Danach verstarb seine Mutter (noch ein Haushalt) und dann mein Vater (noch ein riesiger Haushalt). Falls Du Nachschub brauchst…. Ich mache das dann so, dass er es nicht merkt!
    Einfach genial

    1. 1000 Dank für deine Rückmeldung.

      Au Backe, da hat es euch ja voll erwischt! Kein Wunder, dass ich mit dem Zeug zu kämpfen habt. Ich weiß nur allzu gut, wie schwer das ist.

      Nachschub? Dein Danke. Erstmal komm ich mit dem, was da ist, prima zurecht! :D

      Liebe Grüße
      Sabine

  3. Toll,Sabine, da habe ich ja sofort Lust,vorbeizukommen und herumzustöbern …so eine Ausmistaktion kann total dopen, das weiß ich aus eigener Erfahrung ;-) und ich freue mich jetzt schon auf deine nächste Idee … was auch immer es sein wird ;-)

    Liebe Grüße,
    Monika

    1. Jaaaa, es setzt sehr viel Energie frei. Komm uns gerne mal besuchen. Ist dort sehr HSP-gerecht :o)

  4. Elke sagt:

    Freue mich wie Bolle über Deine Energie und das sich trotzdem wohlfühlen….
    Hurra-Hurra-Hurra !!!!

    Und Postkarten bekommste von mir auch noch, bloß fällt mir im Moment partout nixxx ein *sehrbedröppeltguck…
    Hänge nämlich noch in meinem Umzug – Auspacken und einräumen UND nochmals mich trennen fest.
    Bin sowas von gut angekommen in meiner kleinen Wohnung, vom ersten Tag ja schon und das hat sich auch nicht geändert,
    allerdings habe auch ich zuviele schöne Dinge UND zuviel Bastelkram UND zuviel Aufgehobenes von den Kindern…

    Na ja, da brauche ich Dir nixxx zu erzählen….
    Sende Dir demnächst noch ein Foto von meinem Kannen – Stillleben
    Wir könnten direkt zusammenstellen…..

    Mach weiter so fröhlich und gut gelaunt und voller Elan
    Liebe Grüße an Deinen allerbesten Ehemann und viele Streicheleinheiten für die Damen und natürlich eine sehr liebe Umarmung für Dich

    ❤️ Elke

    1. Liebe Elke,

      viele Dank für deine Mitfreude!

      Mach dir keinen Postkartenstress, bitte.

      Liebe Grüße
      Sabine

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sabine | Dinkel
Vierländer Damm 48
20539 Hamburg

040 - 181 14 440
gutentag@sabinedinkel.de

Impressum
Datenschutzerklärung
Bleiben Sie am Ball! Abonnieren Sie hier den RSS-Feed von Sabine Dinkel.